„Hey, hey, hey, ich war der goldene Reiter“ – Der heilige Georg in der Schatzkammer

St. Georg, wohl nach Entwurf v. F. Sustris zw. 1586 u. 1597, Sockel zw. 1638 u. 1641 umgestaltet

St. Georg, wohl nach Entwurf von F. Sustris zwischen 1586 u. 1597, Sockel zwischen 1638 u. 1641 umgestaltet

Schneidig – im wahrsten Sinne des Wortes – zieht er sein Schwert: Ritter St. Georg im glänzenden, gold-geschmelzten Prunkharnisch, die kristallene Klinge in der erhobenen Rechten, gibt sich seiner Berufung hin, dem Töten von Drachen! Und was für ein Drache! (eigentlich eine Drachenlady, um mit Blick auf die für die junge Schlangenbrut bereiten Zitzen am bleichen Monsterbauch genau zu sein): Grün glänzend wälzt sich das  Ungetüm, schon ziemlich angeschlagen, unter den Hufen von Georgs strahlendweißen Schimmel – ein gerechtes Ende für das geflügelte und geschuppte Ungetüm – wenn es nur nicht so süß schauen würde! Weiterlesen

göttlich und grotesk: Die laufenden Restaurierungsarbeiten im Grottenhof nähern sich einem vorläufigen Abschluss!

Verschleierte Schönheit - die Wandmalereien aus dem späten 16. Jh. in der Grottenhalle der Residenz

Verschleierte Schönheit – die Wandmalereien aus dem späten 16. Jh. in der Grottenhalle der Residenz

„Steter Tropfen höhlt den Stein“ heißt es gemeinhin, und bedeuten soll es, dass beharrliches und geduldiges Arbeiten schließlich zum gewünschten Ergebnis führt. Nun ist das Bild mit dem kontinuierlich fortschreitenden Wasserschaden, der nach Jahrzehnten oder Jahrhunderten schließlich zur Steinerosion führt, ein für den musealen Bereich vielleicht nicht allzu glücklich gewähltes: Wer heute den im letzten Viertel des 16. Jh. unter Herzog Wilhelm V. (reg. 1597-1597) ausgestatteten Grottenhof der Residenz betritt, wird uns hierin vermutlich zustimmen. Weiterlesen

Auf Phaetons Spuren: Eine Kutsche fliegt ins Marstallmuseum

Heute mal ein Beitrag aus dem Nymphenburger Marstallmuseum von unseren Kolleginnen Magdalena Bayreuther und Mirjam Brandt:

Der Park-Phaeton von Kurfürst Carl Theodor von Pfalz-Bayern bekommt einen neuen Standort im Marstallmuseum

Der Park-Phaeton von Kurfürst Carl Theodor von Pfalz-Bayern bekommt einen neuen Standort im Marstallmuseum

Wie die bayerischen Kurfürsten und Könige alljährlich auch, verlassen wir für diesen Beitrag die Räume der Residenz und begeben uns in die Sommerfrische, nach Schloss Nymphenburg. Dort bot sich Mitte Juni im Stallhof ein Spektakel der besonderen Art. „Kommt `ne Kutsche geflogen…“ dachte sich wohl so mancher zufällig vorbeikommende Mitarbeiter erstaunt beim Anblick eines kleinen Park-Phaetons, der auf einer Spezial-Hebebühne seinen Weg in luftige Höhen antrat. Weiterlesen

Von der Residenz nach Rom – eine Entdeckung in San Sebastiano fuori le mura

Die barocke Fassade der Kirche entstand Anfang des 17. Jh. im Auftrag des Kardinals Scipione Borghese

Die barocke Fassade der Kirche entstand Anfang des 17. Jh. im Auftrag des Kardinals Scipione Borghese

Der heutige Beitrag führt zur Abwechslung einmal nicht in einen beliebten oder unbekannten Winkel der Residenz, sondern wir schließen uns – virtuell – den Pilgerströmen an, die heuer zum heiligen Jahr nach Rom, die ewige Stadt, ziehen. Und zwar konzentrieren wir uns unter den zahlreichen Anziehungspunkten für Betende und Touristen auf einen, der etwas außerhalb des alten Stadtzentrums zu finden ist, auf die an der Via Appia gelegene Kirche San Sebastiano fuori le mura, eine der sieben großen Pilgerkirchen Roms.

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„Ich weiß nicht, was soll es bedeuten…“ – Loreleys Schwester im Hofgarten

Schwanthalers Nymphe im HofgartenKlick! Mit einem metallischen Schlag stößt eine silbern glänzende Boule-Kugel eine andere ein Stück fort, und nach den ewigen Gesetzen des französischen Kugelspiels, die den Außenstehenden stets so mysteriös bleiben wie die Regeln des nur wenig dynamischeren Krickets, hebt das Geraune und der Disput der konkurrierenden Werfer an: Kurz – im Hofgarten nördlich der Residenz hat die Sommersaison begonnen!
Eine allerdings bleibt von der Aufregung des Spiels unberührt – es ist die schöne Nymphe des Gartens, ein mythisch-mystisches Wassergeschöpf, das grünlich schimmernd auf dem kleinen Brunnen vor den westlichen Arkadenbögen thront. Weiterlesen

Nichts bleibt, wie es is(s)t…. – Der verschwundene Speisesaal des François Cuvilliés

Hinter der schönen Rokokofassade liegt die Grüne Galerie des Francois Cuvilliés - und hinter deren Türen wiederum: stößt man heute an eine Backsteinmauer - einst jedoch....

Hinter der schönen Rokokofassade liegt die Grüne Galerie des Francois Cuvilliés – und hinter deren Türen wiederum: stößt man heute an eine Backsteinmauer – einst jedoch….

So mancher, der heute durch die über 120 Schauräume unserer Residenz wandert und die oft gleich mehrfach vorhandenen, prachtvoll ausgestatteten Schlafzimmer, Schreibkabinette, Festsäle und Vorzimmer bewundert, vermisst in diesem ganzen höfischen Ausstattungsluxus oft zwei Sorten von Gemächern, die mittlerweile zum wohnen einfach dazugehören: Badezimmer und ein Raum für die täglichen Mahlzeiten. Das Fehlen von repräsentativen und kommoden Badezimmern in unserem Schloss ist ein betrübliches und etwas anrüchiges kulturhistorisches Thema, das demnächst einmal in einem eigenen Beitrag behandelt werden soll. Die vergebliche Suche nach einem gemütlichen Esseckchen für den bayerischen Kurfürsten und seinen Hofstaat hat hingegen seine eigene Geschichte:

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Keine fliegenden Teppiche, aber solche, auf die man fliegt: Die Otto-von-Wittelsbach-Tapisserien

Otto I. erstürmt die Veroneser Klause, Tapisserie nach Vorlage Peter Candids, München 1609

Otto I. erstürmt die Veroneser Klause, Tapisserie nach Vorlage Peter Candids, München 1609

Otto hat es eilig: Im goldverzierten Harnisch, den Federhelm auf dem Kopf und die Fahne keck geschultert, ist er auf dem Weg in die Zukunft: Die entfaltet sich in diesem Fall im Hintergrund in Gestalt klettergewandter Krieger, die waghalsig auf senkrecht an einer steilen Felswand lehnenden Sturmleitern emporklimmen. Dargestellt ist ein für das Herrscherhaus der Wittelsbacher entscheidender historischer Moment, die Eroberung der Veroneser Klause im September 1155: Weiterlesen

Böse Mädchen kommen irgendwohin – gute Mädchen kommen an die Wand: Die Schönheitengalerie Ludwigs I.

Ludwig I. um 1860, Aufnahme von Hoffotograf Hanfstaengl

Ludwig I. um 1860, Aufnahme von Hoffotograf Hanfstaengl

29. Februar 1868 – ein Schaltjahr: In einer luxuriösen Villa im fashionablen Nizza nimmt ein für die Geschichte der Residenz sehr bedeutsamer Mann seinen finalen Abschied – Ludwig I. (geb. 1786), seit 1848 abgedankter König von Bayern. Hätte er es sich aussuchen können, darf man davon ausgehen, dass er entzückt gewesen wäre, seinen letzten Auftritt auf einen gewissermaßen aus dem üblichen Jahresablauf herausgehobenen Tag zu legen: Hat sich der selbstbewusste Monarch doch schon von seiner (langen) Kronprinzenzeit an bemüht, in der Politik und – für ihn eng und untrennbar mit dieser verknüpft – in Kunst und Kultur markante Zeichen zu setzen!

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„Wolle mer se reilosse?!“ – Fasching am Münchner Hof

Das Narrenschiff bereit zur Abfahrt - Holzschnitt, 15. Jh.

Das Narrenschiff bereit zur Abfahrt – Holzschnitt, 15. Jh.

Jetzt legt sie mit Macht los, die jecke Zeit, und die Welle organisierten Frohsinns schwappt auch durch die Straßen unserer geliebten bayerischen Landeshauptstadt. Schon früher waren die Münchner Verbindungen in die karnevalesken Hochburgen breit und für Umzüge aller Art gut ausgebaut: In Köln, Düsseldorf und der (Kur-)Pfalz – allerdings ohne das lachende, singende Meenz (für Bayern: „Mainz“) – saßen Wittelsbacher auf den Herrscherstühlen, die sich zwar nicht immer gut verstanden, aber immer mal wieder gerne schunkelten und bützten.

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„Les jeux sont faits!“ – Glücksspiel bei Hofe

Weihnachten vorbei, Sylvester und Neujahr sind durch – die Feststimmung flaut langsam Richtung Alltag ab und geblieben ist nur ein weiterhin unentschlossener Winter und die Frage, wie man die immer noch langen Abende nun gestalten soll, bis es wieder wärmer wird. Für einen Bewohner der Residenz des 17. oder 18. Jh., der ohne nächtliche Straßenbeleuchtung und Fernwärme auskommen musste, und sich ohne Not nur ungern von den Kerzen und Kaminen der Appartements wegbewegt haben dürfte, tauchte die Frage, wie dunkle Stunden zu füllen seien, zum Glück gar nicht auf – denn die Lösung lag für ihn auf der Hand: das höfische Spiel!

Lust auf eine Partie? Spielmarken aus Meißener Porzellan, Mitte 18. Jh. (Residenz, Raum 66)

Lust auf eine Partie? Spielmarken aus Meißener Porzellan, Mitte 18. Jh. (Residenz, Raum 66)

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