„Unbewusst waren Sie der einzige Quell meiner Freuden“ – Richard Wagner zu Gast bei Ludwig II. in der Residenz

Geschrieben von am 3. Mai 2013 | Abgelegt unter Aktionen, Bilder und mehr – Quellen und Enthüllungen

2013 ist Wagnerjahr – Bücher- und CD-Regale biegen sich unter der Last der Neuerscheinungen, in Leipzig und Dresden, aber auch in München, z. B. in der Staatsbibliothek, eröffnen Ausstellungen anlässlich des 200. Geburtstags des Komponisten.

 

Porträtaufnahme von Richard Wagner von F. Hanfstaengl

Porträtaufnahme von Richard Wagner von F. Hanfstaengl


 

Aber nicht nur der eigentliche Geburtstag am 22. Mai ist Gedenktag par excellence. Auch der 4.5 ist für Wagnerianer wie für Liebhaber der Residenz zwischen Bayreuth und Tokio, sowie für die Musikgeschichte des 19. Jahrhunderts allgemein ein interessantes Datum: An diesem Tag fand im Jahr 1864 in den Räumen der Residenz die erste persönliche Begegnung zwischen Ludwig II. und Richard Wagner statt. Das Treffen begründete die berühmte „Königsfreundschaft“ der beiden Männer. Es war wohl keine eigentliche Freundschaft im heutigen Sinne zwischen zwei gleichberechtigten Partnern, aber auch keine rein nominelle Bekanntschaft – sozusagen eine prestigeträchtige Facebook-Freundschaft. Vielmehr markiert diese erste Begegnung den Beginn einer komplizierten emotional-mäzenatischen Beziehung zwischen König und Komponist, die über zwei Jahrzehnte hinweg bis zu Wagners Tod 1885 andauerte – gespickt mit pathetischen Höhen und mit spektakulären Tiefen, die aber nie zum völligen Bruch führten.

 

Ludwig II. als junger Mann

Ludwig II. als junger Mann, Aufnahme von J. Albert von 1867


 

Schon in seiner Kronprinzenzeit hatte Ludwig Wagners Werk kennengelernt, das nicht nur musikalisch, sondern vor allem auch hinsichtlich der verarbeiteten Stoffe aus Mythologie und Heldensage größten Eindruck auf ihn machte. Bereits die ersten Opernbesuche, die dem Prinz erlaubt wurden, hatten ihn mit den Gestalten des „Lohengrin“ und des „Tannhäuser“ bekannt gemacht, Musikdramen, in denen es bekanntlich hoch hergeht mit singenden Schwänen, Lasterhöhlen im Thüringer Wald und allerlei komplizierten, schuldbeladenen Konflikten zwischen den Geschlechtern. Verständlich, dass Ludwig begeistert war! Voller Enthusiasmus beschloss er daher unmittelbar nach seiner Thronbesteigung, den Schöpfer solcher faszinierenden Musik- und Dramenwelten nach München zu berufen: Er beauftragte seine ziemlich konsternierten Räte, den als 1848er Revolutionär von der Regierung seiner sächsischen Heimat gebrandmarkten Dichter-Komponisten zu suchen und postwendend in die Residenz zu schaffen. Der Ablauf der Geschichte ist im Wesentlichen bekannt und fehlt in keiner Verfilmung des Lebens des bayerischen Märchenkönigs, auch wenn die Bewertung der Ereignisse in der Darstellung durch Wagner Apologeten und der seiner Gegner bemerkenswert schwankt. Den gerade mal wieder auf der Flucht vor seinen Gläubigern befindlichen Wagner erschien der königliche Ruf, als ihn der bayerische Bevollmächtigte nach wilder Verfolgungsjagd schließlich in Stuttgart „stellte“, als – Zitat – „wahrhaft gutes, hilfreiches Wunder“.

 

Wo mag das Treffen stattgefunden haben? Ludwigs prunkvolles Wohnappartement war 1864 noch unvollendet.

Wo mag das Treffen stattgefunden haben? Ludwigs prunkvolles Wohnappartement war 1864 noch unvollendet.


 

Auch die eigentliche Begegnung mit dem König wenige Stunden später, die sich vor allem aus dem sich daraus entwickelnden Briefwechsel rekonstruieren lässt, war anscheinend „großes Kino“, in dem ein Theaterfachmann und ein kundiger Theaterjünger mit aller rhetorischer Wucht aufeinander stießen. Doch muss man bedenken, dass es sich bei den Briefen, in denen sich „flüchtige Götterträume“ (Wagner) und Ludwigs geschriebene Ausrufungszeichen: „Einziger! – Heiliger!“ gegenseitig zu überbieten suchen, und deren Ton uns heute schnell unaufrichtig und deklamatorisch erscheint, um eine Kunstsprache handelt, in der die Schreiber versuchten, ein ideales Verhältnis zwischen Kunst und Macht auszuhandeln. Dass die „Königsfreundschaft“ größten Einfluss auf Wagners weiteres Werk genommen hat, steht außer Frage: Mit der finanziellen Sicherheit der königlichen Schatulle im Rücken konnten viele Projekte des Künstlers Wagner nun realisiert werden: So die Uraufführungen von „Tristan“ und „Meistersingern“ in München, letztlich auch die Uraufführung des „Rings“ in Bayreuth 1876. Was dazwischen an Skandalen, Intrigen, Zerwürfnissen, Versöhnungen und Enttäuschungen lag, kann man im Wagnerjahr 2013 in den unzähligen Jubiläumspublikationen im Detail nachlesen.

 

Wagners Spuren...: Sängersaal in Neuschwanstein

Wagners Spuren…: Sängersaal in Neuschwanstein


 

Welchen ungeheuren Einfluss wiederum Wagners Werk auf Ludwig II. als Bauherrn seiner berühmten Schlösser ausgeübt hat, ist für jeden Besucher vor Ort im Sängersaal von Neuschwanstein oder in der Venusgrotte von Linderhof sofort nachvollziehbar.

 


Eduard Ille, Hans Sachs uns Nürnbergs Blütezeit", 1866 - Die Zeichnung wird in der aktuellen Ausstellung im Charlottengang der Residenz präsentiert

 

Und so freuen wir uns in der Residenz besonders, auch einen kleinen Beitrag zum Wagner-Jahr beisteuern zu können, nämlich mit der Präsentation von zwei graphischen Blättern von Joseph Hoffmann und einer Zeichnung von Eduard Ille, die Gestalten und Szenen aus Wagners Opern darstellen und im Auftrag Ludwigs II. angefertigt wurden. Die drei Zeichnungen sind Dauerleihgaben der Museumsstiftung zur Förderung der Staatlichen Bayerischen Museen/Sammlung Max Oppel und werden seit gestern im Charlottengang der Residenz  (Raum 42) erstmals öffentlich gezeigt.

Wohl zu viele Mozartkugeln vertilgt….?

Geschrieben von am 19. April 2013 | Abgelegt unter Bilder und mehr – Quellen und Enthüllungen, Lieblingstücke unserer Autoren

Tatsächlich wirkt der rundliche Marmorkopf mit den etwas feisten Wangen so, als habe sein distinguierter Träger zu viel von der Salzburger Schokospezialität verkostet. Und warum auch nicht, es ist schließlich der berühmte Kompositeur selbst – Wolfgang Amadeus Mozart, das „Wolferl“, den man sich physiognomisch gern graziler und anmutiger vorstellt – eher passend zur „Kleinen Nachtmusik“ statt zur wuchtigen Ouverture des „Don Giovanni“….

 


P1050426

 

Den ganzen Beitrag lesen »

Viel Leidenschaft auf engstem Raum – „Susanna und die Alten“, ein Bild von Antoine Coypel in der Residenz

Geschrieben von am 5. April 2013 | Abgelegt unter Bilder und mehr – Quellen und Enthüllungen, Lieblingstücke unserer Autoren

Oh làlà – die leidet aber…“ der kürzlich aufgeschnappte spontane Kommentar einer Betrachterin angesichts eines Gemäldes aus den Depots des Residenzmuseums trifft ganz gut den Kern: Dargestellt ist eine Szene aus dem Alten Testament:

 

Scan10028

 

Den ganzen Beitrag lesen »

Relief runter, Vorhang rauf – Ostern kann beginnen: Barockes „Theatrum sacrum“ in der Reichen Kapelle

Geschrieben von am 29. März 2013 | Abgelegt unter Bilder und mehr – Quellen und Enthüllungen, Lieblingstücke unserer Autoren

Passend zum Karfreitag ist unser heutiges Auftaktbild mit dem silbernen Kreuzigungsrelief gewählt: Unter dem flachen Kruzifix, an dem der vollplastische, muskulöse Christuskörper tatsächlich mit ganzem Gewicht zu hängen scheint, haben sich links die römischen Soldaten versammelt, während rechts die kummervoll zusammengebrochene Maria von ihren Gefährten versorgt wird.

 

P1070652
 

Den ganzen Beitrag lesen »

Gut gebrüllt Löwe – die bronzenen Torwächter der Residenz

Geschrieben von am 22. März 2013 | Abgelegt unter aktuelle Restaurierungsprojekte, Bilder und mehr – Quellen und Enthüllungen, Lieblingstücke unserer Autoren

München ist eine Löwenstadt – ob es mit der statistisch hohen Anzahl von Tagen mit Sonne zu tun hat, die das dem Wüstentier zugehörige Gestirn ist? Vielleicht ist es auch das selbstbewusste, gern auch grollende und beißfreudige Verhalten der Bewohner. Kaum ein öffentlicher Platz jedenfalls, kein Wappen und kein für den Tourismus gestalteter Bierkrug, den nicht Tatzen, Mähne und Schweif zieren, vom Accessoire für den Fußballfan mal ganz zu schweigen.

 


 

Manchmal ist Berühmtheit eine Last - mit geduldig-leidvollem Ausdruck präsentiert sich der Residenzlöwe seinen Bewunderern

Manchmal ist Berühmtheit eine Last – mit geduldig-leidvollem Ausdruck präsentiert sich der Residenzlöwe seinen Bewunderern

 

Den ganzen Beitrag lesen »

Ich saz ûf eime steine – als im Königsbau noch Minnesang erklang

Geschrieben von am 15. März 2013 | Abgelegt unter Bilder und mehr – Quellen und Enthüllungen, Lieblingstücke unserer Autoren

Ziemlich eng wird es für die Schar von Figuren, die sich auf der kleinen rundbogigen Holztafel in schwerem Goldrahmen versammelt haben. Rechts im Vordergrund sitzt ein bärtiger blonder Mann mit einer Laute im Schoß – doch scheint er weniger seinen Zuhörern vorzusingen, als sie zu belehren.
 

P1070303
 

Den ganzen Beitrag lesen »

“Tischlein deck dich” war gestern…

Geschrieben von am 8. März 2013 | Abgelegt unter Bilder und mehr – Quellen und Enthüllungen, Lieblingstücke unserer Autoren

Wer kennt das Problem nicht – angesichts der horrenden Mietpreise in der Münchner Innenstadt müssen Familie, Privatleben sowie Hab und Gut auf einer Kleinstzahl von Quadratmetern untergebracht werden und so einiges bleibt dabei auf der Strecke, zum Beispiel manch ein Möbelstück, das vielleicht nicht ganz so notwendig ist, wie Bett, Tisch und Stuhl, aber trotzdem ganz schön und praktisch wäre…
 

Beengte Verhältnisse... z. B. in den Kurfürstenzimmern der Residenz, Raum 27

Beengte Verhältnisse… z. B. in den Kurfürstenzimmern der Residenz, Raum 27


 

Den ganzen Beitrag lesen »

Fazit 2/2 – “Kultur-Blogparade 2013″: Berufsbilder in Kulturinstitutionen, Vermittlungs- und Social Media Konzepte

Geschrieben von am 1. März 2013 | Abgelegt unter Aktionen, Museumsarbeit hautnah: unser Alltag

 

Nun also der finale Beitrag zur „Kultur-Blogparade 2013“: das zweite Fazit – ein ereignisreiches Kapitel wird jetzt von unserer Seite aus abgeschlossen! Die präsentierten Projekte bzw. der „Blick hinter die Kulisse – unser Arbeitsalltag“ der beteiligten Kultur-Blogs gehen aber weiter. Uns freut es sehr, dass Museen und Kulturinstitutionen diesen „informellen“ und unmittelbaren Vermittlungsweg für ihre Inhalte nutzen. Faszinierend ist die kulturelle Tätigkeit. Die Vielschichtigkeit der #KBlogparade2013 bereitete uns großes Lesevergnügen – dafür ein großes Merci an alle Teilnehmer!
 

Prunk im Kaisersaal, prunkvoll entwickelte sich die #KBlogparade2013

Prunk im Kaisersaal, prunkvoll entwickelte sich die #KBlogparade2013

Den ganzen Beitrag lesen »

Fazit 1/2 – „Kultur-Blogparade 2013“: 21 Museen, Theater, Verlage und Initiativen stellen ihren Arbeitsalltag vor

Geschrieben von am 28. Februar 2013 | Abgelegt unter Aktionen, Hinter den Kulissen, Museumsarbeit hautnah: unser Alltag

 
Finalement – die Kultur-Blogparade 2013 ist beendet – Zeit für ein erstes Fazit! Die Fakten sind phänomenal: 21 Beiträge aus verschiedenen Kulturinstitutionen (Museen: 15, Theater: 1, Verlag: 1, Bewertungsplattform: 1, Privatinitiativen: 2, Galerie: 1) kamen zustande – wunderbar! Wie erwartet erfolgte ein fulminanter Endspurt, während nach Ablauf der Blogparade angekündigte Artikel noch angenommen wurden. Die facettenreichen Posts begeistern ausnahmslos. Wir bedanken uns sehr bei unseren Kollegen in den Kulturinstitutionen – merci für Euren fantastischen „Blick hinter die Kulisse – euer Arbeitsalltag“!
 

Wie die Miniatur "Heimkehr der Diana" von F. Bouly nach dem Original von Rubens reich beladen heimgekehrt ist, so erfreut sich auch unsere Kultur-Blogparade 2013 inspirierende Ladung.

Wie die Miniatur “Heimkehr der Diana” von F. Bouly nach dem Original von Rubens reich beladen heimgekehrt ist, so erfreut sich auch unsere Kultur-Blogparade 2013 inspirierende Ladung.


Den ganzen Beitrag lesen »

Unser Jahresthema 2013 – vier neue Stockwerke für unser Museum #KBlogbeitrag2013

Geschrieben von am 14. Februar 2013 | Abgelegt unter Aktionen, aktuelle Restaurierungsprojekte, Hinter den Kulissen, Museumsarbeit hautnah: unser Alltag

Stolz und glücklich sind wir, dass wir unseren Besucher seit November letzten Jahres endlich wieder die in frisch saniertem Glanz strahlende Fassade des Königsbaus präsentieren können.
 

fassade-koenigsbau

Den ganzen Beitrag lesen »

Nächste Einträge »