„…dergleichen Parücken-Seculum, worinnen wir leben, findet sich in keinen vorigen Zeiten!“

So wundert sich 1743 der Jurist und Historiker Johann Peter von Ludewig. Und tatsächlich ist unser Bild vom 17. und 18. Jahrhundert fast etwas getrübt von dem ganzen Reis- und Weizenpuder, der von den in kunstvolle Locken gelegten falschen Haaren stäubt, die Herren und Damen auf den Porträts des Barock und Rokoko auf ihren Köpfen balancieren.

Herr und Höfling - gleichermaßen der Moder untertan... Bildnis des Kurfürsten Max III. Joseph und des Grafen Seeau oder Salern mit modischen Zopfperücken, G. Desmarées, 1755, Residenzmuseum

Herr und Höfling – gleichermaßen der Moder untertan… Bildnis des Kurfürsten Max III. Joseph und des Grafen Seeau oder Salern mit modischen Zopfperücken, G. Desmarées, 1755, Residenzmuseum

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“Ich will selbst schauen, kein Schauobjekt sein!“ – die Separatvorstellungen für Ludwig II.

Der Schauplatz: Das alte Residenz- oder Cuvilliés-Theater wie es Ludwig II. kannte

Der Schauplatz: Das alte Residenz- oder Cuvilliés-Theater wie es Ludwig II. kannte

 

„Das Empfangszimmer der Gräfin du Barry. Rechts im Hintergrund ein äußerst prächtiges Ruhebett. – Bedienter (reißt die Tür auf): „Der Marschall Herzog von Richelieu“ – Der Herzog von Aguillon: „Das wusste ich wohl, dass mein venerabler Herr Onkel nicht auf sich warten lassen würde…“ – Mit diesen Textzeilen, die mitten in die umtriebige Arbeits- und Lebenswelt der letzten Mätresse Ludwigs XV., der Gräfin du Barry, nämlich deren sündiges Schlafzimmer am Hof von Versailles, führen, beginnt am 6. Mai 1872 die erste der berühmten Separatvorstellungen für König Ludwig II. Weiterlesen

Frühlingserwachen mit #Lustwandeln zur App „Schlosspark Nymphenburg“

Was für ein Titel: „Frühlingserwachen mit #Lustwandeln zur App „Schlosspark Nymphenburg“? Das werden Sie sich vielleicht zu Recht fragen. Schlummerte unsere App den Winter über im Dornröschenschlaf, so weckte sie der Frühling mit strahlender Kraft. Nun, wir halfen natürlich ein bisschen nach. Am 19. April organisierte die Schlösserverwaltung mit den Kulturkonsorten den „Tweetwalk – Auf den Spuren Englischer Landschaftsgärten im Schlosspark Nymphenburg“. Schon wieder ein seltsamer Begriff “Tweetwalk” – was ist das?

Lustwandeln

Ent- oder beschleunigen? Lustwandeln mit Smartphone im Nymphenburger Schlosspark.


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Rauchende Trümmer am Tag danach…

Blick in die barocken Steinzimmer im Westen der Residenz

Blick in die barocken Steinzimmer im Westen der Residenz

Wer heute durch die in jahrelanger Arbeit wiederhergestellten Stein- oder Kaiserzimmer geht, die sich entlang der Residenzstraße im westlichen Obergeschoss unserer Schlossanlage erstrecken, wird immer wieder auf die Spuren der Kriegszerstörung hingewiesen, die diesen Bereich der Residenz im April 1944 besonders schwer getroffen hat:
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Blutigrote, verzweigte Symbolik – Korallenkunst in der Residenz

Blick in die Grottenhalle neben dem Antiquarium - fast wie zu Hainhofers Zeiten....

Blick in die Grottenhalle neben dem Antiquarium – fast wie zu Hainhofers Zeiten….

„Vor dem Antiquario draussen ist ain Sälin, in disem ein trog, vmbhero Bilder von Corallen, Berlenmutter, muschlen, allerlay ertz: vnd stueffen…“ – also einen kleinen, dem Antiquarium der Residenz benachbarten Saal mit einem Brunnen(-Trog), umgeben von Skulpturen und Reliefs aus Korallen, Perlmutt, Muscheln und Erzstufen hat er gesehen: Philipp Hainhofer, Augsburger Kunstsammler und –Händler, gut Freund mit dem bayerischen Herzog Wilhelm V. und seinem Sohn Maximlian I., als er 1611 den Münchner Hof besuchte. Weiterlesen

Ma trés chère amie… – Max Emanuels große Liebe

Gräfin Arco, Kupferstich von C. M. Vermeulen, 1700

Gräfin Arco, Kupferstich von C. M. Vermeulen, 1700

Februar 1717: In Paris, das nach der schier endlosen Regierung Ludwigs XIV. unter der Herrschaft des genussfreudigen Regenten Philippe d’Orléans interessante Zeiten erlebt, stirbt die gleichfalls lebenslustige Agnes Françoise Le Louchier – ihrem Namen und Titel nach die Gemahlin des kurbayerischen Offiziers Franz Graf von Arco, tatsächlich aber die langjährige Geliebte und einflussreiche Hauptmätresse des bayerischen Kurfürsten Max Emanuel.

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Kratziges zum Aschermittwoch…

Bußkästchen Maximilians I.

Aschermittwoch – nach all der zügellosen Ausgelassenheit der letzten Tage (und Nächte) herrscht betretenes Schweigen – denn das war’s mal wieder: Schluss mit lustig, mit dem Ende der „Nacht vor dem Fasten“ beginnt, oder begann zumindest früher, der lange, kulinarisch steinige Bußgang Richtung Ostern… Dass die zur seelischen Besserung und Entschlackung angesetzten religiösen Bußübungen aber fast wie der Fasching selbst im eigens angefertigten Kostüm gleichsam festlich zelebriert und – zumindest nachträglich – propagandistisch eingesetzt werden konnten, zeigt unser schmuckes kleines Kästchen mit Perlmutteinlagen.

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Save the date – 6. Februar 1699…

(Gestelltes) Familienbild aus glücklicheren Tagen - Joseph Ferdinand mit seinen Eltern: Max Emanuel und die österreichische Kaisertochter Maria Antonia, Miniatur von  F. C. Bruni im Miniaturenkabinett der Residenz

(Gestelltes) Familienbild aus glücklicheren Tagen – Joseph Ferdinand mit seinen Eltern: Max Emanuel und die österreichische Kaisertochter Maria Antonia, Miniatur von F. C. Bruni im Miniaturenkabinett der Residenz

In Brüssel, der Amtsresidenz seines Vaters, des bayerischen Kurfürsten Max Emanuel, der als Statthalter Spaniens die Südlichen Niederlande regiert, stirbt nach dreiwöchiger Krankheit mit nur sechs Jahren sein kleiner Sohn, der Kurprinz Joseph Ferdinand – designierter König von Spanien. Weiterlesen

Sein und Schein – Steiniger Weg zur Wittelsbacher Kaiserkrönung 1742

“Meine Krönung ist gestern vor sich gegangen mit einer Pracht und einem Jubel ohne gleichen…“ – so notiert es der frisch gebackene – nein gekrönte – Kaiser Karl VII., kurz zuvor noch „schlichter“ Kurfürst von Bayern, am Abend eines für ihn ebenso denkwürdigen wie zermürbenden 12. Februar 1742 in sein Tagebuch.

Ein Bild kaiserlicher Pracht - Karl VII. von Georges Desmarées - der imperiale Traum währte allerdings nur drei Jahre und endete im Chaos...

Ein Bild kaiserlicher Pracht – Karl VII. von Georges Desmarées – der imperiale Traum währte allerdings nur drei Jahre und endete im Chaos…

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Nehmen Sie doch Platz! – Der Thronsessel Ludwigs I.

Gleißendes Gold und schwellender Samt, Troddeln und Fransen, säulenartige Stützen mit geschnitzten Kapitellen und ein umlaufender Lorbeerkranz – wenn ein Sitzmöbel jemals die Bezeichnung als Thron verdient hat, dann wohl dieser opulente Armsessel mit der kreisrunden Rücklehne aus der Münchner Residenz.

Thronsessel, Entwurf Leo v. Klenze, Goldstickereien auf Seidensamt: Alckens u. Vogel, München 1841/42

Thronsessel, Entwurf Leo v. Klenze, Goldstickereien auf Seidensamt: Alckens u. Vogel, München 1841/42

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