Jung gebliebene Göttin verlässt alt-angestammten Platz – Die Venus des Antonio Canova

„Aphrodite die schöne, die züchtige, will ich besingen,/Sie mit dem goldenen Kranz, die der meerumfloßenen Kypros/ Zinnen beherrscht, wohin sie des Zephyros schwellender Windhauch/ Sanft hintrug auf der Woge des vielaufrauschenden Meeres,/ Im weichflockigen Schaum; und die Horen mit Golddiademen/ Nahmen mit Freuden sie auf, und thaten ihr göttliche Kleider/An…“
so wohlklingend übersetzt Konrad Schwenck (1793-1864) das hymnische Lob, das Homer der Göttin der Liebe und Schönheit entgegenbringt: der schaumgeborenen Aphrodite, die die Römer später mit der von ihnen verehrten Venus gleichsetzten, und die dem griechischen Sänger – da blind und so von keinem irdischen Vorbild abgelenkt – besonders lebhaft vor dem inneren Dichterauge vorgeschwebt haben muss!
Es scheint fast, als ob Antonio Canova (1757-1822), der berühmteste klassizistische Bildhauer Italiens, der im frühen 19. Jahrhundert Päpste, Kaiser und Könige mit seinen hoch begehrten Skulpturen erfreute, diese Zeilen gelesen hätte, unmittelbar bevor er sich an den Entwurf „seiner“ Liebesgöttin machte, die heute ihre unsterblichen Reize in der Residenz entfaltet. Weiterlesen

Weihnachtsstress Anno 1750 – die Adventszeit am kurfürstlichen Hof

Stille Nacht, heilige Nacht – ganz ruhig, nur mit der Familie, wie es dieses Gemälde in der Grünen Galerie suggeriert? – nicht in der Residenz….

Weihnachten naht mit Riesenschritten, und wer das festliche Tempo mithalten will, muss selbst langsam in die Gänge kommen, um die vielen, teils angenehmen, teils misslichen Pflichten im Vorfeld der Feiertage noch termingerecht zu erledigen: sei es in Stellvertretung für den vielbeschäftigten Weihnachtsmann Geschenke zu kaufen, sei es, die letzten Bleche mit Plätzchen zu backen, festliche Grüße per Karte, mail oder WhatsApp zu verschicken, oder, oder, oder…

Da mag es als Trost in all dieser Rumrennerei dienen, dass in der guten alten Zeit, die ob ihres angeblich stark entschleunigten Lebensstils alljährlich in den Tagen traditioneller Festlichkeiten gemeinhin hoch im Kurs steht, nichts besser gewesen zu sein scheint – zumindest nicht am bayerischen Hof und in der Münchner Residenz! Weiterlesen

Schlossanlage Schleißheim: Lustwandeln beim „Blauen Kurfürsten“

Anfang Oktober zogen sie los: Die Teilnehmer am Tweetwalk im Schloss Schleißheim. Zeit für einen Rückblick auf eine spannende Tour, die selbst auf die Dächer und in die Kellergewölbe des gewaltigen Barockschlosses führte und im Park nicht nur herrschaftliche Alleen, sondern auch die verborgenen Obstgärten auskundschaftete: Tanja Praske berichtet in ihrem Gastbeitrag:

Lustwandeln in den bayerischen Garten- und Schlossanlagen verführt zu jeder Jahreszeit. Der Tweetwalk #Lustwandeln in Schleißheim am 8. Oktober 2016 faszinierte mit geheimen und spektakulären Aussichten. Was ist ein Tweetwalk? Warum wandelten wir an einem grauen Herbsttag auf den Spuren des „Blauen Kurfürsten“? Magisch zogen uns die Barockkunst in Schloss und Park sowie der historische Obstgarten mit seinen Erzeugnissen an. Was sahen, erlebten und schmeckten wir dort? Unser Nachbericht vom Lustwandeln – ein Fest der Sinne – verrät es Ihnen.

Twitterer, Blogger und Instagrammer stehen in der Großen Galerie des Neuen Schlosses in Schleißheim, fotografieren sich und die Kunst. Tweetwalk #Lustwandeln.

Action der Lustwandler in der Großen Galerie des Neuen Schlosses in Schleißheim

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Abstecher auf der „Italienischen Reise“ – Goethes Besuch in München, September 1786

Goethe - 1808 schuf der Bildhauer Tieck in Rom diese idealisierte Gedenkbüste für die Walhalla bei Regensburg

Goethe – 1808 schuf der Bildhauer Tieck in Rom diese idealisierte Gedenkbüste für die Walhalla bei Regensburg

„Et ego in Arcadia“: „Auch ich [bin/war] in Arkadien“ – so hat es Goethe der 1816/17 erschienenen Publikation der „Italienischen Reise“ vorangestellt, seinen (redigierten) Erinnerungen an den lang ersehnten Aufenthalt in Rom und Neapel in den Jahren 1786/88,  – wobei die paradiesische Hirtenlandschaft des griechischen Arkadien (im 18. Jh. übrigens ein eher trister Landstrich) symbolisch für Italien als den ewigen Sehnsuchtsort der deutschen Künstler steht. Dabei hätte der berühmte Dichter aber auch gut im Kleingedruckten noch ein „et ego in Monaco“ einschieben können, denn auf der hastigen Hinreise in den Süden besuchte er auch kurz München! Weiterlesen

Monument Men stehen restauriert an der Wand – die Fresken der Hofgartenarkaden

frisch restauriert - die Hofgartenarkaden am Odeonsplatz

frisch restauriert – die Hofgartenarkaden am Odeonsplatz

Rüstige Recken, würdige Weisheitslehrer und da und dort auch eine minnigliche Maid – wer im südwestlichen Abschnitt der Arkaden des Hofgartens promeniert, vielleicht auch nur Schatten oder Schutz vor einem plötzlichen Regenschauer sucht, sieht sich einer mehrere Dutzend Meter langen bayerischen Erfolgsgeschichte gegenüber! Weiterlesen

wie sieht das denn hier schon wieder aus – auf Zeitreise in den Gemälden der Residenz

Die Zeit - hier in Gestalt des Gottes Saturn im Nymphenburger Schlosspark - verschlingt ihre Kinder...

Die Zeit – hier in Gestalt des Gottes Saturn im Nymphenburger Schlosspark – verschlingt ihre Kinder…

Die Zeit bleibt nicht stehen – was heute aussieht wie für die Ewigkeit gemacht, kann sich morgen oder nächstes Jahr schon als Schnee von gestern erweisen – oder sich doch zumindest als deutlich überholungsbedürftig erweisen. Gerade uns als Betreibern eines museal genutzten historischen Gebäudes, das einen kontinuierlichen Sanierungsbedarf aufweist, ist diese Vergänglichkeit auch der wehrhaftesten und monumentalsten Architektur mehr oder minder schmerzhaft bewusst. Weiterlesen

Lustwandeln auf gemalten Pfaden – auf Entdeckungsreise im Miniaturenkabinett…

Blick in das wiederhergestellte Miniaturenkabinett der "Reichen Zimmer" (Raum 62)

Blick in das wiederhergestellte Miniaturenkabinett der „Reichen Zimmer“ (Raum 62)

Im Miniaturenkabinett der Residenz sind in die glänzend rot lackierten, von feinen Goldschnitzereien überdeckten Wände über 120 Kleingemälde eingepasst – juwelenhafte Schätze, die die bayerischen Kurfürsten im 17. und 18. Jahrhundert sammelten und stolz ihren Besuchern präsentierten. Weiterlesen

Fürstlich Feiern mit der Markgräfin Wilhelmine bei den Bayreuther Residenztagen

Schwungvoll die Fetzen fliegen lassen - aber mit Stil: das kann man ideal während der Residenztage Bayreuth!

Schwungvoll die Fetzen fliegen lassen – aber mit Stil: das kann man ideal während der Residenztage Bayreuth!

(Nicht nur die Residenz, auch die anderen von der Schlösserverwaltung betreuten Schlösser,Gärten und Monumente sind einen Besuch wert: Besonders lohnt sich diesen Herbst eine Reise nach Bayreuth zu den dortigen Residenztagen, die wir in unserem Gastbeitrag vorstellen!)

Nicht nur die Wittelsbacher luden einst zu feierlichen Anlässen und Festlichkeiten an ihren Hof, z.B. in die Münchener Residenz – auch die Bayreuther Markgrafen wussten wahrhaft fürstliche Feste zu feiern.
Warum sich also nicht einmal aus München heraus ins schöne Oberfranken begeben und mit der berühmten Markgräfin Wilhelmine und ihrem Hofstaat feiern? Weiterlesen

„Hey, hey, hey, ich war der goldene Reiter“ – Der heilige Georg in der Schatzkammer

St. Georg, wohl nach Entwurf v. F. Sustris zw. 1586 u. 1597, Sockel zw. 1638 u. 1641 umgestaltet

St. Georg, wohl nach Entwurf von F. Sustris zwischen 1586 u. 1597, Sockel zwischen 1638 u. 1641 umgestaltet

Schneidig – im wahrsten Sinne des Wortes – zieht er sein Schwert: Ritter St. Georg im glänzenden, gold-geschmelzten Prunkharnisch, die kristallene Klinge in der erhobenen Rechten, gibt sich seiner Berufung hin, dem Töten von Drachen! Und was für ein Drache! (eigentlich eine Drachenlady, um mit Blick auf die für die junge Schlangenbrut bereiten Zitzen am bleichen Monsterbauch genau zu sein): Grün glänzend wälzt sich das  Ungetüm, schon ziemlich angeschlagen, unter den Hufen von Georgs strahlendweißen Schimmel – ein gerechtes Ende für das geflügelte und geschuppte Ungetüm – wenn es nur nicht so süß schauen würde! Weiterlesen

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