Museo-Blog-Parade 2012 – Heuer kommen die Arbeiten in der Würzburger Hofkirche zum Abschluss!

War is over? – Das schon, aber Bauwerke haben ein langes Gedächtnis.

Heute vor 67 Jahren…  Warum uns der 16. März 1945 in der Hofkirche der Residenz Würzburg noch heute Kopfzerbrechen bereitet, und warum dort momentan noch ein Stangenwald aus Gerüstteilen den Zugang verwehrt, dazu kommen wir gleich.

So sieht es momentan in der Würzburger Hofkirche aus


Aber wundern wir uns zuerst mal ein bisschen über die ungewöhnlichen Architekturformen dieser Palastkirche der Würzburger Fürstbischöfe.

Das Runde muss ins Eckige

Als hätte Balthasar Neumann, dem Barockbaumeister mit dem genialen räumlichen Vorstellungs­vermögen, eine sportliche Problemstellung vorgeschwebt, so mutet die Raumlösung der Würzburger Hofkirche an. In die streng quaderförmige Südwestecke der Residenz fügte er einen bewegten Kirchenraum aus drei aneinander geschobenen Ovalen ein, so dass sämtliche Innenwände in Kurven aufgelöst erscheinen.

Schematischer Grundriss mit Markierung der Emporen und der drei Ovalkuppeln

1732/33 wurde der Rohbau errichtet und mit drei Ovalkuppeln überwölbt. Nach Fertigstellung der ungeheuer aufwändigen Stuckdekorationen, Vergoldungen, Stuck- und Marmorskulpturen und der Ausmalung der Kuppeln durch Johann Rudolph Bys wurde die Kirche 1743 geweiht.

Südfassade der Residenz Würzburg: im linken Flügel befindet sich die Hofkirche

Wie öfter in seiner Karriere hat Balthasar Neumann, angeregt durch eine architektonische Zwangslage, faszinierende neue Lösungen gefunden. Er hat nicht nur die vierstöckige Fensterreihe der Schlossfassade im Aufriss seines Kirchenraums untergebracht, sondern auch durch waghalsig schräg verzogene Gewände den inneren Ovalräumen angepasst. Er schuf einen höchst angemessenen Sakralraum – aber in welcher anderen Kirche kann man aus Fenstern im Erdgeschoss ins Freie sehen? Wo sonst gibt es in der Ostwand neben dem Hauptaltar sechs Spiegeltüren bzw. –fenster?

Hofkirche, Ansicht des Ostteils mit Hauptaltar

Feuersturm 1945

Vor 67 Jahren, am 16. März 1945 abends, heulen in Würzburg wieder einmal die Luftschutzsirenen. Die Menschen hasten in die Keller und Schutzräume, doch Tausende von Ihnen werden den nächsten Tag nicht mehr erleben. 236 Bomber der Royal Air Force sind im Anflug auf die Stadt. In nur 12 Minuten, zwischen, 21:30 und 21:42 Uhr, werfen sie fast 400 Tonnen Sprengbomben und über 300.000 Stabbrandbomben ab. Ein bis zu 2000 Grad Celsius heißer Feuersturm entsteht, noch aus 200 Kilometern Entfernung ist der Widerschein der brennenden Stadt zu sehen. Etwa 5000 Menschen sterben in dem flammenden Inferno. In der Altstadt bleiben ganze sieben Häuser unversehrt und im gesamten Stadtgebiet werden über 80 Prozent der Wohnhäuser, fast alle öffentlichen Gebäude und 35 Kirchen zerstört. Neben Dresden und Pforzheim gehört Würzburg zu den am schwersten kriegszerstörten Städten Deutschlands.

Westfassade der Residenz Würzburg 1947, ganz rechts die Hofkirche

Bei dem Bombardement, das die ganze Stadt in Schutt und Asche legte, brannte auch der Dachstuhl der Hofkirche und der gesamten Residenz ab. Zwar hielten alle Gewölbe Balthasar Neumanns dem einstürzenden Gebälk stand, doch waren sie jetzt ungeschützt der Witterung ausgesetzt. Die Fresken von Bys und die originalen Stuck- und Goldoberflächen der oberen Partien gingen großenteils verloren.

Die Mittelkuppel der Hofkirche nach 1945

Retten, was zu retten ist

Eine erste Restaurierung bemühte sich 1959-1962 die geschädigten Oberflächen und Vergoldungen zu erneuern, die verlorenen Partien der Deckengemälde wurden rekonstruierend neu gemalt. Doch die Schäden saßen tiefer in der Substanz.  Gold- und Farbschollen sowie ganze Putzteile lösten sich immer großflächiger.

Absprengung vergoldeter Oberflächen

Nach gründlichen Voruntersuchungen wurde deshalb 2009 eine neue Restaurierungsaktion im Umfang von 3,5 Millionen Euro in Angriff genommen. Einzelheiten dieses Unternehmen sind abrufbar unter www.restaurierung-hofkirche.de/. Wenn alles planmäßig verläuft, wird die Bayerische Schlösser­verwaltung die frisch restaurierte Hofkirche der Würzburger Fürstbischöfe als wichtigen Bestandteil des „Weltkulturerbes Residenz Würzburg“ ab Oktober 2012 dem Publikum neu präsentieren.

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