MUSEO-Blog-Parade 2012: Die Burg wird gestürmt

Zum Handwerk des Museumsmenschen gehört nicht nur die angemessene Präsentation von Bauwerken und Objekten, sondern auch die Planung des Rahmenprogramms. Denn nur dieses macht die Tage nach der Eröffnung zu einem „Event“, das in der Erinnerung der Besucher haften bleibt.

Eine Ausstellung ist eine Ausstellung. Aber eine Ausstellungseröffnung ist noch lange keine Eröffnungswoche. Dazu gehört mehr als „nur“ eine neu gestaltete Ausstellung. Wenn also der der bayerische Finanzminister am 30. Mai feierlich die Ausstellung „Ritter, Recken, edle Frauen. Burg Prunn und das Nibelungenlied“ im wunderschönen, wild-romantischen Altmühltal eröffnet, sind im Hintergrund bereits etliche Bände zu den unterschiedlichsten Künstlern, Handwerkern und Firmen geknüpft worden, um aus den ersten Wochen der Besuchereröffnung das zu machen, was man neudeutsch ein „Event“ nennen würde.

Tapfer haben sich Museumsabteilung sowie Presse- und Öffentlichkeitsabteilung durch Internetforen und Mittelaltermärkte gekämpft, um den Besuchern Authentisches und Spielerisches bieten zu können, das Raum für Phantasie lässt UND zugleich kein falsches Bild des Mittelalters vorgaukelt.

Erste Doppelseite des „Prunner Codex“, der anlässlich der Ausstellung zum ersten Mal seit gut 450 Jahren für zwei Monate wieder am Ort seiner Auffindung zu sehen sein wird; Cgm 31, fol. 1v und 2r, München, Bayerische Staatsbibliothek

So veranstalten wir am Freitag, den 1. Juni, als Eröffnung im Rahmen des Mittelalterfestes im benachbarten Riedenburg einen Sternritt von der Altmühl über das Dorf Prunn auf die luftigen Höhen der Burg. Begleitet werden wir von einem Falkner, einer Trommelgruppe und – hoffentlich! – dem halben Dorf im vollen mittelalterlichen Gewand.

In der folgenden Woche laden wir ins benachbarte Schloss Eggersberg zum Nibelungenkino! Wer Fritz Langs monumentalen Nibelungenfilm aus den 1920er Jahren zeigen will, muss allerdings zuerst eine Vorführkopie des Films bei der zuständigen Gesellschaft erwerben – und einen Pianisten finden, denn ein Stummfilm so ganz ohne Musik ist schließlich auch nichts.

Was eine echte Burg – mit einem echten Nibelungenlied – sein will, muss natürlich auch zur Umschmeichelung der Burgfräulein etwas Minnesang zu bieten haben. Und das haben wir: Der Musikwissenschaftler Dr. Lothar Jahn beehrt die Burg am 9. Juni und bietet mit seinen Mannen einen Minnesangwettbewerb – „Minnesang vom Donaustrand“, unter anderem mit dem in Riedenburg wohl bekannten Hadamar von Laaber, der im 14. Jahrhundert zu den letzten großen Minnesängern zählte.

BU: Mittelalterlich Essen darf auch etwas derber sein… Detail aus: „Calender und Practica“, 1368-1405, Cgm 32, fol 5v, München, Bayerische Staatsbibliothek

Weil die Kleinen auch nicht zu kurz kommen sollen, organisieren wir auch einen nibelungischen Dreikampf für Kinder und anschließend für Erwachsene. Wer die Gunst der starken Brünhild gewinnen wollte, musste sie im Weitsprung, im Steinwurf und im Speerwurf besiegen. Wer allerdings in ihren Paradedisziplinen gegen die mythische Königin unterlag, der hatte leider mit dieser Niederlage auch sein Leben besiegelt. Derartige Strafen müssen unsere Besucher nicht befürchten.

Zusätzlich zu alledem wird bei uns mittelalterlich geschmiedet, mittelalterlich gebastelt, mittelalterlich geleiert und evtl. auch mittelalterlich getrunken und gespeist. Im August erwarten wir dann den ADFC (den Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club) zu Besuch auf der Burg und Schulkinder, die in einem Ferienprogramm viel Nützliches wie Brettchenweben, Wappenmalen und gotische Schrift lernen.

Und während all diese „Events“ ablaufen, haben wir immerhin noch eine neue Ausstellung zu betreuen – wie gesagt, eine Ausstellungseröffnung ist noch keine Eröffnungswoche.