Gastbeitrag: Recken – vom Bad im Drachenblut zur höfischen „zuht“

Ob die bayerischen Herzöge, die in der Residenz ihr Quartier aufgeschlagen hatten, tatsächlich echte „Recken“ waren, vermag man aus heutiger Perspektive nur schwer zu beurteilen. Zupackend und diplomatisch geschickt war ein Herzog wie Maximilian I., der 1623 zum Kurfürst wurde, mit Sicherheit – aber ein echter Recke?


Echter Recke oder (Blut-)Warmduscher? - auf Burg Prunn kann man es jetzt erfahren... (Zeichnung v. Heiko Sakurai)


Die Prunner Herren jedenfalls – unter ihnen der wackere Turnierritter Hans VII. von Fraunberg zu Prunn – wussten aus eigener Anschauung wie sich ein echter Recke zu verhalten hatte: Er sollte mindestens einen Drachen getötet und einen sagenhaften Schatz erworben haben; er hatte bei der Ankunft in einem fremden Herrschaftsgebiet sofort den König herauszufordern; er musste im Krieg kühn und tapfer wie kein anderer sein; er sollte der Schwarm der hübschesten Frauen sein; er sollte aufgrund seiner Tapfer- und Mannhaftigkeit Dreh- und Angelpunkt eines handfesten Eifersuchtsstreit werden und er sollte zu guter Letzt einen heldenhaften Tod sterben – hinterrücks ermordet, schließlich würde es keiner wagen und vermögen, ihn von Angesicht zu Angesicht niederzustrecken.

Der kundige Leser hat es längst erkannt: Bei jenem kühnen Recken handelt es sich um keinen geringeren als um Siegfried, den strahlenden Helden des Nibelungenlieds. Die Fraunberger von Haag zu Prunn kannten Siegfried nur allzu genau – aus dem Prunner Codex, der schönsten unter den erhaltenen vollständigen Pergamenthandschriften. Jenes Buch, normalerweise im Tresor der Bayerischen Staatsbibliothek, kam für die Prunner Ausstellung nach über 400 Jahren wieder zurück an ihren Auffindungsort, so dass auch die Besucher der Burg etwas über kühne Recken, edle Ritter und anmutig bis rachsüchtige Frauen lernen konnten.

 Abb.: Peter Cornelius, Siegfried fängt einen Bären, Kupferstich v. 1817, Burg Prunn, Raum 11

Über echte Recken hat wohl auch Maximilians Enkel Max Emanuel viel gelernt. Zumindest steht dieser Residenzbewohner als tapferer Streiter im Kampf gegen die Türken am ehesten im Verdacht kein großer Diplomat, aber dafür ein umso kühnerer Recke gewesen zu sein.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

    • Ja, ziemlich selten: die Tanzbärennummer bezieht sich auf eine Episode im Nibelungenlied kurz vor der Mordszene an der Quelle: Siegfried fängt auf der Jagd einen Bären und treibt ihn aus Spaß ins Küchenzelt, um sich über das Chaos zu amüsieren und den Bären gleich nochmal einzufangen – Mittelalterhumor…
      Schön, dass der Comic gefällt, mehr davon gibt’s hier: http://www.burg-prunn.de/deutsch/kinder/comic/comic.htm

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