Die zehnte Residenzwoche kündigt sich an

Mitte Oktober wird es wieder einmal soweit sein: Wenn auf der Festwiese abschließender Kassensturz gemacht und das Riesenrad langsam in seine Einzelteile zerlegt wird, beginnt in der Residenz die heiße Phase der Aufbauarbeiten: Wie jedes Jahr laden wir in der Woche nach dem Oktoberfest vom 12. bis zum 21. Oktober zur Residenzwoche ein – dieses Jahr schon zum zehnten Mal seit 2002.


Seit einem Jahrzehnt schon unser Logo, aber der Atlant aus dem Cuvilliés-Theater trägt seine Würde weiter mit Anmut...


Wir feiern also Jubiläum und blicken nicht ganz ohne Stolz auf die vergangenen Jahre mit ihren prallen Veranstaltungskalendern zurück. Natürlich wollen wir uns aber nicht auf unseren Erinnerungen ausruhen, sondern nach Möglichkeit den Besuchern zum runden Geburtstag auch eine runde Sache bieten. Ein Glück also, dass das Residenzwochen-Jubiläum mit dem unseres noch etwas älteren kurfürstlichen Geburtstagskindes Max Emanuel (geb. 1662) zusammenfällt – der die satte Festerfahrung und barocke Grandezza seiner 350 Jahre mit einbringt. Nach diversen Sonderveranstaltungen, Aktionstagen und Festkonzerten zu Ehren des blauen Kurfürsten wird nun die Residenzwoche den diesjährigen Jubiläums-Festreigen beschließen.


Der Jubilar mit seiner Familie. Dynastisches Bildnis aus dem Miniaturenkabinett der Residenz


Eine ganze Reihe von Sonderführungen widmet sich Max Emanuels Sammelleidenschaft, dem die bayerische Museumslandschaft als Ganzes viele ihrer spektakulärsten Stücke verdankt – viele davon in der Schatz- und Silberkammer der Residenz und in der reichhaltigen Porzellansammlung. Von der muss zwar zurzeit ein Großteil im Depot ausharren – zur Residenzwoche wird aber die Tür einen Spalt geöffnet, sodass ein ausnahmsweiser Blick auf die Schätze möglich wird.


Ostasiatisches Porzellan, veredelt mit europäischen Goldbronzen, gehörte zu Max Emanuels zahlreichen kostspieligen Leidenschaften.


Zusätzlich eröffnen wir mit Beginn der Residenzwoche zwei kleine Sonderausstellungen: Im Theatinergang soll man die barocken Feste nacherleben können, die 1662 zu Max Emanuels Taufe veranstaltet wurden. Im Bereich des ehemaligen Appartements der Kurfürstinnen steht dagegen zur Abwechslung mal eine Frau im Mittelpunkt – Max Emanuels Mutter, Henriette Adelaide von Savoyen, sicher eine der faszinierendsten Frauengestalten, die die Residenz in ihrer über 400jährigen Geschichte bewohnt haben.


Henriette Adelaides Porträt in der Ahnengalerie der Residenz


Aber Max Emanuel interessierte sich nicht nur für Kunst, Festlichkeiten und – vorzugsweise schöne, nicht mit ihm verheiratete Damen, sondern war auch ein begeisterter Musikfreund. Und so bilden auch dieses Jahr wieder Konzerte einen zentralen Bestandteil unserer Veranstaltungswoche, Musik – nicht nur aus der Max-Emanuel-Zeit – die im Rahmen der verschiedenen historischen Prunkräume einen ganz eigenen Zauber entfaltet.


Am ursprünglichen Aufführungsort klingen die alten Kompostionen Orlando di Lassos für die Münchner Hofkapelle noch schöner


Daneben gibt es barocke Tanzeinlagen und jede Menge Hofklatsch, der seine amüsante Boshaftigkeit über die Jahrhunderte hinweg in erstaunlicher Frische bewahrt hat.
Das daneben auch eine Vielzahl anderer Veranstaltungen zur Geschichte der Residenz und ihrer Bewohner, Führungen für Jung und Alt im Keller (kein Verließ, keine Folterkammer) und auf dem Dachstuhl stattfinden, muss kaum eigens erwähnt werden.
Bis dahin muss allerdings noch einiges organisiert, eingebaut, durchgesprochen und ausprobiert werden. Jede Menge Arbeit, die sich aber lohnt – finden wir – und die Besucher hoffentlich auch!
Das ganze Programm unter: http://www.residenzwoche.de/

Veröffentlicht von

Konservator des Residenzmuseums

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