Gastbeitrag: Eine Niederbayerin am Etzelhof? #KBlogbeitrag2013

Der Gastbeitrag erscheint im Rahmen der Kultur-Blogparade 2013. Der wissenschaftliche Mitarbeiter Sebastian Karnatz stellt das Hörspielprojekt für Burg Prunn vor. Eine Kelheimer Schulklasse bereichert mit ihren Hörstücken das museale Angebot auf der Burg Prunn im Altmühltal. Wir sagen: Danke!

„Groß Getumml! Dausend Leid rennan um mi rum! Oana is gstressda als da anda. Etz mua i scho mol frong, wos de do machan. Siiie??? Wos machans na da…. Wos da wird a Festl vorbereitet…? De Burgund‘n solln kemma, ho i grod im vorbeigeh ghert…“

SchülerInnen des Kelheimer Donau-Gymnasiums unter Minnesängern der Region


So also klingt es in gut bajuwarischer Mundart, wenn Gunther, Gernot, Giselher und ihr Oheim, der grimme Hagen, im Land des sagenumwobenen Hunnenkönig Etzel ankommen. Ohne Zweifel, wir sind hier wieder einmal – im Rahmen dieses Blogs wurde darüber schon öfter berichtet – bei den Nibelungen angekommen.
Doch Moment: Nibelungen und bayerischer Dialekt – geht das zusammen? Sehr gut sogar, wie ein spannendes Projekt beweist, das Schülerinnen und Schüler des Donau-Gymnasiums Kelheim (unter der Betreuung von Herrn OStR Ausberger) gemeinsam mit dem Bayerischen Rundfunk und der Bayerischen Schlösserverwaltung auf die Beine gestellt haben.
In vier kurzen Hörstücken werden die SchülerInnen tiefe Einblicke in die Alltagswelt der Nibelungen geben – und zwar im Stile einer Talkshow. Sie bearbeiten dabei die Themen „Frauenzank“, „Kleidung“ – im Nibelungenlied immer fürstlich und prächtig –, „Frauenrollen“ und „Schatz“. Für jedes dieser kurzen (3-4 Minuten) Hörstücke haben sich die SchülerInnen unter Anleitung der Kuratoren der Ausstellung „Ritter, Recken, edle Frauen. Burg Prunn und das Nibelungenlied“ eigens in die schwierige Materie des mittelalterlichen Heldenepos eingearbeitet.

Historische Texte und ihre Bedeutung für die Gegenwart

Die Moderatorinnen und Moderatoren des Nibelungentalks begrüßen im Studio so illustre Gäste wie die durchaus im wörtlichen Sinne bis aufs Blut verfeindeten Kriemhild und Brünhild, den zögerlichen Burgundenkönig Gunther und Alberich, den Wächter des sagenumwobenen Nibelungenhorts. Eine zutiefst niederbayerische Reporterin – auch dies ist ja ein durchaus streitlustiger Stamm – berichtet zudem live vom Ort des Geschehens: Sie steht beispielsweise auf den Stufen des Wormser Münsters als Kriemhild den Betrug an Brunhild öffentlich macht und wandert in der riesigen – aber nach Hagens Nacht- und Nebelaktion leider leeren – Schatzkammer, die einst den Nibelungenschatz barg, umher.

Im Vordergrund des Projektes stehen der (überraschende?) Spaß am Umgang mit historischen Themen und Texten und die Übersetzung der allgemein gültigen Themen, die diese transportieren, in die Sprache der Gegenwart. Zu hören sein werden diese kurzen Stücke auf Sonderführungen in der Burg Prunn im Altmühltal und auf der Homepage der Burg Prunn und der Stiftung Zuhören des Bayerischen Rundfunks.

BR-Redakteur Bernhard Jugel im Einsatz

Bis es soweit ist, müssen unsere Nachwuchshörspielautoren und -sprecher allerdings noch eine kleine Hürde nehmen: Unter Anleitung des Hörfunkspezialisten Bernhard Jugel werden sie im Februar die Studios des Bayerischen Rundfunks in München entern und ihre Texte professionell aufnehmen. Pünktlich zur neuen Hauptsaison – ab April 2013 – können sie dann von den Besuchern der Homepage und der Burg bewundert werden. Um es mit den Worten der rasenden Kelheimer Reporterin Kunigunde zu sagen: „Da is Mords wos los auf dera Burg!“

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