Unser Jahresthema 2013 – vier neue Stockwerke für unser Museum #KBlogbeitrag2013

Stolz und glücklich sind wir, dass wir unseren Besucher seit November letzten Jahres endlich wieder die in frisch saniertem Glanz strahlende Fassade des Königsbaus präsentieren können.
 

fassade-koenigsbau


Diesen opulenten Wohnpalast im Süden des Residenzareals hatte zwischen 1826 und 1835 Starkarchitekt Leo von Klenze, befeuert und bis zur Erbitterung genervt von den Wünschen und Vorstellungen König Ludwigs I., für diesen geplant und errichtet. Allerdings ist der Königsbau mehr als seine edle, von Vorbildern der Renaissance inspirierte Fassade: Hinter den nach wie vor geschlossenen Zugängen wird weiterhin unablässig gearbeitet, denn hier ist noch einiges zu tun. Die Museumsbereiche des Königsbaus beherbergen nämlich nicht nur die berühmten Nibelungensäle im Erdgeschoss und die darüber liegenden Prunkappartements von König und Königin. Hinter diesen offiziellen Repräsentationsgemächern befanden sich einst auf zwei Haupt- und zwei Zwischengeschossen in den sogenannten „rückwärtigen Zimmern“ Dienerschafts- und Funktionsräume, Gewölbe für Küche und Hofkonditorei, Dienstzimmer für das persönliche Personal des Königspaars, dazu hinter dem Thronsaal im ersten Geschoss ein prachtvoller Speise- und ein angrenzender Buffetsaal.
 

historischer Raumplan des Königsbaus

historischer Raumplan des Königsbaus


Nach den Zerstörungen des Weltkriegs wurden diese nachgeordneten Räume nicht wiederhergestellt: Während bis in die 1980er Jahre die Appartements Ludwigs I. und der Königin Therese aufwendig rekonstruiert wurden, fanden in den dahinter liegenden Zonen stattdessen Wohnungen und Werkstätten ihren Platz.

Doch nun soll anders werden: Im Zuge der fortschreitenden Sanierung der Residenz sind die rückwärtigen Räume nach Möglichkeit in ihrer ursprünglichen Aufteilung wieder hergestellt und mit großem Aufwand auf vier Stockwerken zu hellen, freundlichen musealen Bereichen umgebaut worden. Trotz ihrer schlichten Neutralität verraten sie jedoch auch immer noch die ursprüngliche Handschrift des Architekten Klenze. Hier nun sollen in den nächsten Jahren die umfänglichen Spezialsammlungen des Residenzmuseums, namentlich die Bestände an europäischem Porzellan des 18. und 19. Jahrhunderts und die großartige Silberkammer, ihren Platz finden. Der Plan besteht schon seit Längerem, aber tritt nun endlich in die heißere Phase – es gilt nicht nur einen geeigneten Gestalter zu finden und sich Gedanken über die notwendigen konservatorischen Bedingungen in den neuen Gebäuden zu machen. Es geht auch darum, das in langen Stunden geplante museale Konzept nun auch zu konkretisieren – ein Prozess, der eigentlich nie seinen endgültigen Abschluss findet – vielleicht mal kurzfristig am Tag nach der Eröffnung…. Welche Stücke sollen letztendlich ausgestellt, welche als besondere „Highlights“ in den Mittelpunkt der Besucheraufmerksamkeit gerückt werden – und wie? Durch eine besondere Lichtregie? Durch eine gesonderte Aufstellung? Oder doch lieber im Zentrum einer Gruppe ähnlicher Objekte?? Sollen die Stücke allein aus sich heraus wirken, oder soll es ergänzende Erklärungstexte geben – kurz? Wie kurz? Oder doch nur ein knackiges historisches Zitat als Selbsterklärung (und auf welchem der tausend Post-It-Zettel hatte man den passendsten Ausspruch nochmal notiert?). Nur ein paar von Dutzenden von Fragen, die uns in diesen Wochen und auch das ganze kommende Jahr (und wohl auch das nächste) stark beschäftigen – die den Kopf oft dampfen lassen, bei denen die Suche nach adäquaten Lösungen aber meist Spaß macht.
 

In der Warteschleife: Das wunderschöne Vogelservice kam 1760 als Geschenk Ludwigs XV. von Frankreich in Wittelsbacher Besitz

In der Warteschleife: Das wunderschöne Vogelservice kam 1760 als Geschenk Ludwigs XV. von Frankreich in Wittelsbacher Besitz


Immerhin handelt es sich bei den Beständen der einstigen kurfürstlichen, später königlichen Porzellan- und Silberkammer um ganz besondere Kunstwerke – die Wittelsbacher hatten nicht nur zu einem guten Teil Geschmack (oder zumindest gute Kunstberater), sie hatten auch die nötigen Finanzmittel und einen beachtlichen Mangel an Skrupeln, diese auszugeben. Was nicht selbst angeschafft wurde, wanderte als Geschenk fürstlicher Kollegen, oder – überaus bequem – via Erbschaft in die Schränke ihrer Porzellankabinette oder auf die opulent gedeckten Galatafeln. Für den Bestand an Porzellan stehen etwa frühe Meisterwerke der Meißener Porzellankünstler Augusts des Starken oder aus Sèvres, der Manufaktur der französischen Krone. Ebenso gehört zu der Münchner Sammlung aber beispielsweise auch ein wohl einzigartig reicher Schatz an Frankenthaler Porzellanskulpturen aus dem 18. Jahrhundert.
 

J. C. Links "Meleager und Atalante" gehört zu den schönsten mythologischen Gruppen des in Frankenthal tätigen Porzellankünstlers

J. C. Links „Meleager und Atalante“ gehört zu den schönsten mythologischen Gruppen des in Frankenthal tätigen Porzellankünstlers


Aus dem 19. Jahrhundert sind es prunkvolle Service, die Kaiser Napoleon oder der preußische König mit mehr oder minder eindeutigen Hintergedanken verpacken und mit freundlichen Grüßen („Vorsicht zerbrechlich?“) nach München versenden ließen. Vor allem aber prunkt die Sammlung des 19. Jahrhunderts mit „hauseigenen“ Erzeugnissen, den zahlreichen Bestellungen, die der Hof aus den Ateliers der Nymphenburger Porzellanmanufaktur bezog – darunter das berühmte Onyx-Service oder die faszinierenden Gemäldekopien nach Werken der Alten Pinakothek, die Ludwig I. zur ewigen Bewahrung auf Keramikplatten abmalen ließ.
 

Das kostbare Onyx-Service besteht aus mehreren hundert Teilen

Das kostbare Onyx-Service besteht aus mehreren hundert Teilen


Was die Silberkammer betrifft, so…– aber vielleicht reicht es auch an dieser Stelle erst einmal: Kurz, wir sind beschäftigt, um für unsere Besucher in Zukunft hier eine reiche, vielfältige und faszinierende Welt wieder aufleben zu lassen – eine Welt höfischer Pracht, aber auch höfischer Alltagsgeschichte: schließlich wurde Porzellan und Silber ja nicht nur bewundert, sondern diente letzten Endes auch als Requisit höfischer Mahlzeiten, musste geputzt, verwahrt, gezählt, repariert und ersetzt werden. Dies alles wollen wir zeigen und mehr – mit Tempo also auf in ein spannendes und arbeitsreiches Jahr 2013.
 

Veröffentlicht von

Konservator des Residenzmuseums

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

    • Eröffnung wird aller Voraussicht nach in der ersten Jahreshälfte 2017 gefeiert: Die endlich möglich gewordene (und sehr notwendige) Restaurierung der Nibelungensäle sowie eine vorrangige Sanierungsmaßnahme im Bereich Kaiserhof sind noch zu bewältigen, bevor der museale Einbau loslegen kann…

  1. Die vielen Fragen „Welche Stücke sollen letztendlich ausgestellt, welche als besondere „Highlights“ in den Mittelpunkt der Besucheraufmerksamkeit gerückt werden – und wie? Durch eine besondere Lichtregie? Durch eine gesonderte Aufstellung? Oder doch lieber im Zentrum einer Gruppe ähnlicher Objekte??“, die Euch durch den Kopf schwirren, sind uns ja so bekannt. 😉
    Aber es ist auch sehr sehr spannend, eine Ausstellung neu zu konzipieren.

    Danke für den tollen Einblick!

    • Liebe Wera,
      ja, das stimmt. Euer Beitrag zur #KBlogparade2013 hat diesen Werdeprozess neuer Ausstellungsflächen schon prima beschrieben. Wir arbeiten weiter daran und bedanken uns herzlich für Eure (An-)Teilnahme.
      Herzliche Grüße nach Münster

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