„Das muss alles raus“ – Sanierung in der Galerie

Vor das Vergnügen haben die Götter den Schweiß gesetzt – auch im herrschaftlichen Rahmen scheint das leider nicht anders. Bevor die Neueinrichtung der Grünen Galerie beginnen kann, müssen vernünftige Rahmenbedingungen geschaffen werden. In unserem Fall hieß das vor allem eine Sanierung der Fenster. 

Harte Arbeit für gute Aussicht: Austausch der Fenster in der Grünen Galerie.

Diese waren natürlich im Zuge des Wiederaufbaus der kriegszerstörten Galerie in den 1970er-Jahren ersetzt worden. Nach vier Jahrzehnten sind diese erneuerten Fenster allerdings selbst an das natürliche Ende ihres Lebens angelangt. Vor allem, nachdem vom viel beschworenen weißblauen Bayernhimmel in den letzten Sommern immer wieder auch sintflutartige Regenfälle auf die Dächer der Residenz niedergehen, wurde die Situation langsam schwierig. Schließlich gefällt zwar jedem ein Regen aus vergoldetem Stuck, wie man ihn an der Decke der Reichen Zimmer bewundern kann, aber feuchte Wände und Vertäfelungen mit abblätternden Vergoldungen möchte niemand riskieren.

Die Verkörperung des Morgentaus sprüht vor dem Wagen des Sonnengotts goldene Tropfen von der Decke des kurfürstlichen Paradeschlafzimmers

Abhilfe musste also geschaffen werden – aber so einfach alte Fenster raus, neue Fenster rein, wie es ein bekannter Werbespot in den 90er-Jahren verhieß, funktioniert das im musealen Rahmen erwartungsgemäß nicht. Viel ist zu beachten und zu entscheiden. Soll der Raum für Besucher zumindest teilweise zugänglich bleiben, also nicht komplett geleert und eingerüstet werden, müssen für die empfindlichen Objekte und die wandfeste Dekoration besondere Schutzmaßnahmen getroffen werden. Wichtig ist vor allem, das Klima konstant zu halten: Besonders das Material älterer oder bereits strapazierter Kunstwerke reagiert besonders sensibel auf rasche oder umfängliche Klimaschwankungen mit Schadensbildern, die dann schwer, mit viel Geld und Arbeitseinsatz wieder zu beheben sind.

Fast das größte Problem ist aber ein zunächst unsichtbarer und dennoch frustrierender Gegner – der Staub. Er liegt überall, er entsteht überall, es gibt ‚zig Sorten, die bei den verschiedenen Arbeiten fast zwangsläufig aufgewirbelt werden. Nur mit vieler Mühe, Disziplin und Tricks kann diese Staubentwicklung unter Kontrolle gehalten werden. Wünschenswert ist das – denn dringen die feinen Partikel erst einmal in die empfindlichen Textilien, die alten Polstermöbel und die kostbaren Wandbespannungen ein, sind sie von dort nur mit enormen Aufwand zu entfernen:  Denn ein flott darüber geführter Staubsauger entfernt leider nicht nur das Ärgernis, sondern meist auch zuverlässig das, was von der alten Substanz noch erhalten ist.

Dies und andere konservatorische Punkte gilt es im Rahmen einer Sanierung zu beachten und so präsentiert sich unsere Galerie also seit dem Frühjahr ziemlich verhüllt: Hölzerne Verschalungen schützen die geschnitzten Ornamente vor unabsichtlichen Stößen mit sperrigen Fensterflügeln oder Gerüstteilen. Turmartige Gerüste sichern die kristallenen Lüster, die Fensterseite der Galerie ist von Bildern geleert.

Auf Christos Spuren - eingehauste Lüster in der Galerie

Doch das Ziel ist in Sicht: Im Licht, das durch die bereits neu verglasten, gereinigten und gestrichenen Fensterflügel in die Galerie einströmt, kommen die Bilder nun ganz anders zur Geltung, können Gold und Seide schimmern….

Veröffentlicht von

Konservator des Residenzmuseums

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

    • Lieber Sascha,
      das freut uns sehr! Der nächste Beitrag „Einfach göttlich …“ steht in den Startlöchern. Einfach reinschauen.
      Dein Blogteam

  1. Pingback: Der Kultur-Blog ist tot? Es lebe der Blog! : iliou melathron

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